Ein bisschen Regen zum Start, ein bisschen Regen zum Schluss – und dazwischen bestes Spaziergangswetter: Rund 19 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich beim geführten Rundgang der Stadt Alzey die Ausgleichsflächen am Metzentaler Graben bei Alzey-Heimersheim genauer angeschaut.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die Flächen rund um den naturnah gestalteten Wasserlauf entwickelt haben und welchen Beitrag sie für Natur, Landschaft, Klima- und Hochwasserschutz leisten. Dabei wurde auch eine wichtige Klarstellung vorgenommen: Bei dem Gewässer an den Flächen handelt es sich nicht um den Engbach, sondern um den Metzentaler Graben. Der Engbach selbst verläuft durch den Ort.
Während des Rundgangs erläuterte die Stadtverwaltung, wie die Flächen ökologisch bewirtschaftet werden und warum sie heute eine wichtige Rolle für die Artenvielfalt spielen. Ergänzt wurden die Informationen durch persönliche Erfahrungen und Beobachtungen von Hans-Friedrich Helbig, Friedhelm Strickler sowie der Familie Weber, die den Rundgang mit ihrem Wissen vor Ort bereicherten.
Ein zentrales Thema war die gezielte Beweidung der Flächen. Kühe, Schafe und Pferde übernehmen hier auf natürliche Weise Aufgaben, die andernorts häufig durch eine klassische Mahd erledigt werden. Durch diese traditionelle Form der Bewirtschaftung entstehen unterschiedliche Strukturen in der Landschaft: kurz abgefressene Bereiche, höhere Vegetation, Trittstellen und Rückzugsräume. Genau diese Vielfalt macht die Flächen für viele Tier- und Pflanzenarten besonders wertvoll.
„Der Rundgang hat sehr anschaulich gezeigt, dass ökologische Entwicklung Zeit braucht – und dass sich der Einsatz lohnt“, sagt Umweltschutzingenieur Alexander Koppel. „Die Flächen am Metzentaler Graben sind ein gutes Beispiel dafür, wie Naturschutz, regionale Landwirtschaft und nachhaltige Flächenpflege zusammenwirken können.“
Auch das zeitweise Trockenfallen des Gewässers wurde thematisiert. Gerade dieser Punkt hatte in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen gesorgt. Fachlich ist jedoch klar: Naturnahe Gräben und kleinere Bachläufe können zeitweise trockenfallen, ohne dadurch ihren ökologischen Wert zu verlieren. Im Gegenteil: Solche wechselnden Bedingungen gehören zu naturnahen Gewässerstrukturen dazu und können für spezialisierte Arten wertvolle Lebensräume schaffen.
Neben der Biodiversität ging es auch um den Beitrag der Flächen zum Hochwasser- und Klimaschutz. Der natürliche Wasserlauf und die angrenzenden Flächen können Regenwasser zurückhalten und tragen dazu bei, Abflussspitzen zu mindern. Gerade mit Blick auf häufiger auftretende Starkregenereignisse gewinnen solche naturnahen Strukturen weiter an Bedeutung.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die regionale Zusammenarbeit. Die Bewirtschaftung der Flächen unterstützt heimische Landwirtinnen und Landwirte und knüpft zugleich an traditionelle Formen der Weidenutzung an. Damit verbinden die Ausgleichsflächen ökologische Ziele mit regionaler Wertschöpfung und dem Erhalt eines kulturellen Landschaftsbildes.
Der biologische Projektpartner viriditas bewertet die aktuelle Bewirtschaftung der Flächen ebenfalls als zielführend. Die Entwicklung vor Ort zeigt, dass strukturreiche, extensiv gepflegte Flächen einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz in der Region leisten können.
Die Verantwortlichen ziehen daher ein positives Fazit: Der Rundgang machte deutlich, dass die Ausgleichsflächen am Metzentaler Graben heute eine sehr gute ökologische Entwicklung nehmen. Sie fördern die Artenvielfalt, stärken natürliche Landschaftsstrukturen und zeigen, wie nachhaltiges Flächenmanagement direkt vor der eigenen Haustür funktionieren kann.
Zudem setzt diese Aktion den Startschuss für eine fortlaufende Veranstaltungsreihe, die das Ziel verfolgt, den Bürgern die Natur Alzeys näherzubringen und das Bewusstsein für unsere lokale Umwelt zu stärken.

