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Selz-Renaturierung: Bürger erleben das Grün im IG Ost Alzey hautnah und mit allen Sinnen


Ein Versprechen, das eingehalten wurde: Als die Bepflanzungsarbeiten im Spätjahr 2025 entlang der renaturierten Selz im IG Ost begannen, hatten die Stadt Alzey und die Erschließungsgesellschaft Alzey (EGA) eine Bürgerinfoveranstaltung in Aussicht gestellt – für den Moment, wenn das Grün sichtbar und die Renaturierung mit allen Sinnen erlebbar ist. Dieser Moment ist nun gekommen. Rund 60 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung und machten sich vor Ort ein Bild: von 16 Hektar neu entstandener Grünfläche, knapp 1.000 gepflanzten Bäumen, 20.000 Sträuchern – und einer Landschaft, die Natur, Hochwasserschutz und wirtschaftliche Entwicklung einer ganzen Region miteinander verbindet.

Bürgermeister Steffen Jung begrüßte die zahlreichen Interessierten und verwies auf den Stand der Gesamterschließung: Die Infrastrukturarbeiten im IG Ost sind nahezu abgeschlossen, auf den Firmengeländen wird fleißig gebaut – und die nun blühende Renaturierung war von Anfang an ein zentraler Bestandteil des Gesamtkonzepts. Das Ergebnis der guten Zusammenarbeit seit den ersten Planungen ist inzwischen eindrücklich sichtbar. „Schon viel Grün ist entstanden. Heute konnten wir es gemeinsam genauer anschauen", so Jung. Und so viel sei schon verraten: Was entlang des Selztalradweges und nördlich der Selz bereits zu sehen und zu erleben ist, ist längst nicht alles, was an Grün im IG Ost noch entsteht.

Vom Artenschutz bis zum Biber

EGA-Projektleiter Moritz Keth zeigte sich begeistert von der Entwicklung der Flächen: „Ich war schon länger nicht mehr da – und es ist toll, wie grün es in der Zwischenzeit geworden ist. Wer heute entlang der Selz unterwegs ist, sieht, dass sich wirtschaftliche Entwicklung und ökologische Aufwertung nicht ausschließen. Im Gegenteil: Das eine kann das andere stärken. Genau das macht das IG Ost zu einem Projekt, auf das Alzey stolz sein kann." Rund 80 Prozent der insgesamt 16 Hektar Grünfläche sind bereits angelegt. Hinzu kommen die Grünflächen auf den Firmengeländen, die den ökologischen Wert des Gesamtprojekts weiter steigern – ebenso wie Dachbegrünungen und Photovoltaikanlagen, die auf allen geeigneten Dächern realisiert werden. Die Bäume und Sträucher entlang des umgelegten und neu ausgebauten Selztalradwegs entwickeln sich bereits zu einer prägnanten Allee. Insgesamt entsprechen die Begrünungszonen einer Fläche von rund 22 Fußballfeldern – ein deutliches Zeichen dafür, dass wirtschaftliche Entwicklung, Hochwasserschutz und ökologische Vielfalt Hand in Hand gehen können.

Was sich in diesen Flächen bereits alles entdecken lässt, machte Thomas Merz von veriditas deutlich. Merz verantwortet die naturschutzfachliche Begleitung des Projekts und gab den Teilnehmenden Einblicke in eine Planungsgeschichte, die 2017 mit ersten Artenschutzuntersuchungen begann – damals standen Zauneidechsen und Fledermäuse im Fokus. Dann kam 2019 der Biber und würfelte die Planung nochmal ordentlich durcheinander. Trotzdem blieb das Gesamtprojekt im Zeitplan – ohne dass der Artenschutz unter die Räder geriet. Der Diplom-Biologe führte die Besucherinnen und Besucher durch die Flächen, zeigte erste Pflanzenarten und machte auf die Schätze in Flora und Fauna aufmerksam, die sich bereits angesiedelt haben: Vogelrufe im Hintergrund, Enten, die auf der Selz gründeln – das IG Ost ist längst mehr als ein Standort für Industrie und wirtschaftliches Wachstum.

Ein Vorzeigeprojekt mit Vorbildcharakter

Michael Axt vom Planungsbüro Dörhöfer nahm die Interessierten mit in die Tiefe der Planung und Umsetzung – und das Format kam rundum gut an. Die Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit rege: Fragen wurden gestellt, Eindrücke geteilt, Hinweise gegeben. Ein echter Austausch auf Augenhöhe, der zeigt, wie Bürgerbeteiligung gelingen kann.

Für Thomas Merz ist das Projekt weit mehr als ein ökologischer Ausgleich für Eingriffe in die Natur: „Hier zeigen wir, wie sich solche Projekte umsetzen lassen, ohne dass der Artenschutz leidet." Das IG Ost steht damit für einen Ansatz, der Wachstum und Ökologie nicht als Gegensatz, sondern als Gemeinschaftsaufgabe begreift – und der belegt, dass beides funktioniert, ohne jahrelange Verfahren und stetige Verzögerungen. Bürgermeister Steffen Jung bringt es auf den Punkt: „Was wir hier sehen und was in unmittelbarer Nähe entsteht, zeigt eindrucksvoll, dass wirtschaftliche Entwicklung, Ökologie und Artenschutz keine Gegensätze sein müssen. Wenn alle Beteiligten frühzeitig miteinander sprechen und ein gemeinsames Ziel verfolgen, entstehen Lösungen, von denen Natur, Unternehmen und die Menschen gleichermaßen profitieren.“

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