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Zukunftssichere Wärme für Alzey: Wärmepumpen im Einsatz


Der Austausch der Heizungsanlage in der Kita Martin-Niemöller-Weg gleicht auf den ersten Blick einer finanziellen Herkulesaufgabe. Eine neue Gasheizung würde die Stadt rund 21.000 Euro kosten. Die Umstellung auf eine moderne Wärmepumpe schlägt hingegen mit geschätzt 120.000 Euro zu Buche – auch weil in diesem Zuge zahlreiche Heizkörper ausgetauscht werden müssen. Da Kommunen im Gegensatz zu Privatpersonen nur eine Förderung von maximal 35 Prozent erhalten, verbleibt ein Eigenanteil von etwa 80.000 Euro.

Die Effizienz und Zukunftsaussichten schlagen den Anschaffungspreis

Trotz dieser massiven Differenz in der Anfangsinvestition wird nun mit verschiedenen Heizungsbauern der Wärmepumpeneinbau besprochen. Der Grund liegt in der langfristigen Wirtschaftlichkeitsrechnung. „Wir bereiten unsere Gebäude so vor, dass sie auch ohne Fußbodenheizung hocheffizient funktionieren“, erklärt Klimaschutzmanager Marcel Klotz. Das Ziel der Stadt: Durch gezielte Teilsanierungen oder meist nur den Austausch einzelner Heizkörper soll bei einer Außentemperatur von -10 °C eine Vorlauftemperatur von lediglich 55 °C in Bestandsgebäuden ausreichen, um die gewünschte Raumtemperatur zu erhalten. Das ist der obere Auslegungspunkt, der sich durch „Ausprobieren“ noch leicht verschieben kann. Marcel Klotz ergänzt dazu: „Die gesetzlich verpflichtend durchzuführende raumweise Heizlastberechnung gibt unter anderem das Ergebnis aus, ob und gegebenenfalls welche Heizkörper ausgetauscht werden müssen. Das ist wichtig, um die Effizienz der Wärmepumpe hochzuhalten. Unter diesen Bedingungen macht die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom rund 3,5 Kilowattstunden Wärme.“

Da Wärmepumpenstrom dank der Effizienz bereits heute deutlich günstiger ist als Erdgas und die Effizienz den Mehrpreis bei der Anschaffung über die Jahre wettmacht, liegen die Kosten bei entsprechender Abschreibung auf einem Niveau. Die Stadt Alzey spart durch die Wärmepumpe pro kWh erzeugter Wärme etwa 3,5 ct – noch ohne Berücksichtigung von möglichem Solarstrom.

Biogas: Eine riskante Wette auf die Zukunft

Besonders kritisch sieht der Klimaschutzmanager die Hoffnung auf Biogas (Biomethan). „Biogas ist ein knappes Gut und wird es bleiben“, so Klotz, „Warum und woher soll plötzlich günstiges Biogas kommen? Bereits heute muss dies recht teuer beschafft, oft importiert werden.“ Nach seiner Ansicht wird das Angebot nicht im gleichen Maß mit der Nachfrage wachsen. Die Folge wären weiter steigende Erdgas- und Erdölpreise. Experten erwarten daher bereits in drei Jahren eine deutliche Preisexplosion. Wer heute eine neue Gasheizung in der Hoffnung auf Biogas einbaut, begibt sich in eine unkalkulierbare Abhängigkeit. Als aktueller Eckpunkt des zukünftig geplanten Gebäudemodernisierungsgesetzes ist eine Beimischung von mindestens 10 % Biogas bzw. Bioöl in 2029 vorgesehen, der anschließende Pfad ist noch unbekannt. Hinzu kommt die Gefahr steigender Netzentgelte: Da immer mehr Haushalte auf erneuerbare Energien umsteigen, müssen die Kosten für den Erhalt der Gasnetze auf immer weniger Köpfe verteilt werden. Das wird das Heizen mit Gas – egal welcher Art – zusätzlich verteuern. Klotz will auch die Hoffnung auf Wasserstoff in Alzey klarstellen: „In der kommunalen Wärmeplanung haben wir mit den Akteuren wie dem Netzbetreiber klar herausgearbeitet und festgelegt, dass Wasserstoff allenfalls für einzelne Betriebe im Industriegebiet Ost relevant werden könnte. Für Privatpersonen ist Wasserstoff in Alzey nicht relevant – alleine schon aus Gründen der Energieeffizienz und aus wirtschaftlichen Gründen.“

Gesetzliches Aus für Gas im Jahr 2045

Die Stadt Alzey handelt hierbei nicht nur aus ökonomischem Kalkül, sondern folgt einer gesetzlichen Pflicht. Deutschland muss bis 2045 klimaneutral sein. Das bedeutet: Ab dem 1. Januar 2045 ist die Nutzung von fossilem Erdgas zum Heizen schlichtweg verboten. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits im März 2021 klargestellt, dass die Freiheit künftiger Generationen nur durch rechtzeitiges Handeln gewahrt werden kann. „Maßnahmen, die dieses Ziel infrage stellen, sind verfassungswidrig“, erinnert Klotz.

Privathaushalte profitieren deutlich stärker

Für die Bürgerinnen und Bürger in Alzey ist die Rechnung oft sogar noch positiver als für die Kommune. Während die Stadt nur 30 oder 35 Prozent Förderung erhält, können Privatpersonen beim Heizungstausch bis zu 70 Prozent der Kosten erstattet bekommen. Bei einer Investition von 30.000 Euro für eine Wärmepumpe bliebe so im besten Fall ein Eigenanteil von lediglich 9.000 Euro – deutlich weniger als die Kosten für eine neue Gasheizung (ca. 15.000 Euro).

Klotz rät den Alzeyern dringend, mindestens drei Angebote einzuholen und die Bruttokosten bei Einfamilienhäuser möglichst unter 30.000 Euro, bei Zweifamilienhäusern unter 40.000 Euro zu halten, da dies die Grenzen der förderfähigen Kosten sind und jeder Euro darüber voll zu Lasten der Kunden geht. Zudem könne sich bei einem Stromverbrauch von über 3.000 kWh pro Jahr ein eigener Zähler für die Wärmepumpe lohnen. Die Stadt Alzey spart dadurch bereits heute rund 8 Cent pro Kilowattstunde insbesondere durch reduzierte Netzentgelte.

AUF EINEN BLICK: TIPPS FÜR HAUSBESITZER

Wer über einen Heizungstausch nachdenkt, sollte laut Klimaschutzmanager Marcel Klotz folgende Punkte prüfen:

  • Förderquoten ausschöpfen: Privatpersonen können für eine Wärmepumpe bis zu 70 % Förderung (Grundförderung + Klimabonus + Einkommensbonus à KFW 458) erhalten.
  • Kosten-Check: Holen Sie mindestens drei Vergleichsangebote ein. Zielwert für ein Einfamilienhaus sollte möglichst unter 30.000 Euro brutto liegen, da dies die maximale Summe der förderfähigen Kosten ist.
  • Effizienz im Bestand: Eine Wärmepumpe benötigt nicht zwingend eine Fußbodenheizung. Oft reicht der Austausch einzelner Heizkörper aus, um die nötige Vorlauftemperatur auf bspw. 55 °C zu senken.
  • Stromtarif optimieren: Ab einem Verbrauch von ca. 3.000 kWh/Jahr lohnt sich meist ein separater Zähler für Wärmepumpenstrom. Durch reduzierte Netzentgelte (nach §14a EnWG) lassen sich weiter Stromkosten sparen.
  • Zukunftssicherheit: Beachten Sie das Betriebsverbot für fossile Gase ab 2045. Jede heute verbaute Gasheizung muss vor Ablauf ihrer technischen Lebensdauer entweder teuer mit Biogas betrieben oder ersetzt werden.

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