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Wo Geschichte Spaß macht: Auch 2026 ist im Alzeyer Museum kein Raum für Langeweile


Manchmal reicht eben ein Jahr nicht aus. So lässt sich der Blick auf die Pläne des Alzeyer Museums für das Jahr 2026 zusammenfassen. Nachdem sich 2023 alles um die Römerzeit drehte, steht auch dieses Jahr vieles im Zeichen der Zeit vor rund 2.000 Jahren. Wer jedoch im Zuge des Rheinhessen-Themenjahres einen Abklatsch des Programms 2023 erwartet, wird enttäuscht: Das Museumsteam setzt 2026 auf neue Formate, andere Inhalte, überraschende Perspektiven und thematische Sprünge durch die Jahrhunderte. Langeweile? Fehlanzeige.

Das Römerjahr 2023 hat gezeigt, wie lebendig Geschichte sein kann: volle Säle, neugierige Besucherinnen und Besucher, neue Blickwinkel auf das römische Alzey, als die Stadt vermutlich noch Kurstadt war – und ein Museum, das sich mehr denn je als Treffpunkt versteht. Wer dachte, damit sei das Kapitel abgeschlossen, liegt falsch. 2026 geht es weiter – anders, größer gedacht und mit noch mehr Lust aufs Entdecken und Erleben.

Im Rahmen des rheinhessenweiten Themenjahres Römer in Rheinhessen wird die römische Geschichte neu erzählt. Und auch in diesem Jahr passiert deshalb in Alzey wieder besonders viel.

Das Römerjahr 2026 startet offiziell im Museum mit einem echten Highlight: dem XIX. Römertag in Rheinhessen. Am 25. April wird beim #plebs_fulminans, dem Römer-Flashmob, der Museumsplatz zur Bühne. Was genau passieren wird, bleibt noch geheim, aber eines ist sicher: Es wird laut, bewegt, sichtbar – und vor allem unterhaltsam. „Es wird authentisch, und der Spaß kommt garantiert nicht zu kurz“, verspricht Museumsleiter Prof. Dr. Tim Kerig. Und schon hier zeigt sich dann, was Besucherinnen und Besucher in diesem Jahr erwartet. Geschichte zum Anfassen, Mitmachen und Erleben für alle Altersklassen.

Das verspricht auch der anschließende Vortrag zum Thema „Römer”. Referent Michael Sommer, Professor für Alte Geschichte an der Universität Oldenburg, nimmt in seinem Vortrag „Debile Despoten? Caligula, Nero und andere Scheusale” namhafte Herrscher der römischen Geschichte unter die Lupe. Ein Vortrag, der laut, schräg und seriös zugleich werden soll.

Ein weiteres Highlight ist die Römische Nacht, die am 19.  und 20. Juni gemeinsam mit der Volkshochschule stattfindet. Die Teilnehmenden erwartet ein Gelage nach römischem Vorbild – jedoch ohne Elitedenken. Es geht nicht darum, Geschichte nachzuspielen, sondern den Geist der antiken Bürger und Sklaven in die heutige Zeit zu übertragen: das gemeinsame Kochen, das Liegen beim Essen, Livemusik, Austausch und Genuss. All das werden die Teilnehmenden selbst erleben und so Teil einer verschworenen Gemeinschaft werden. Im Laufe des Abends muss dabei jeder in die Rolle eines Sklaven und eines Herren schlüpfen. Bildung und Geselligkeit gehören hier zusammen – so wie vor 2.000 Jahren. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen begrenzt. Anmeldungen sind noch über die KVHS möglich.

Parallel dazu richtet das Museum den Blick auf eine andere spannende Epoche: Um 1900 entdeckten Alzeyer Bürgerinnen und Bürger bei der Gartenarbeit, auf den Feldern und auf Baustellen die römische Vergangenheit ihrer Stadt. Nach den ersten Funden römischer Relikte wurde das Sammeln zum Statussymbol und Bildung diente der sozialen Abgrenzung. Genau hier setzt die Sonderausstellung „Giganten im Garten – Alzeyer entdecken ihre Antike (1900–1914)” an, die Anfang Oktober eröffnet wird. Sie zeigt spektakuläre, bislang nie gezeigte Ausgrabungsfunde, historische Fotos, Pläne, Reisesouvenirs und kleine Privatsammlungen, die in den Folgejahren entstanden, als Alzey im „Römerwahn“ war. Die Ausstellung erzählt von Ehrgeiz, Neugier, sozialer Abgrenzung und der Rolle von Frauen, Arbeiterinnen und Arbeitern – und wirft Fragen auf, die heute aktueller sind denn je: Was bedeutet Bildung, damals wie heute?

Für diese Ausstellung bittet das Museum bereits jetzt um Mithilfe. Gesucht werden Fotos sowie originale Ausgrabungswerkzeuge, Möbel, Spielzeug und römische Funde aus der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts. Wer etwas Passendes besitzt, kann Teil dieser Geschichte werden.

Selbstverständlich bleibt das Museum auch 2026 bei seinen beliebten Formaten lebendig. Einmal im Monat laden Referenten und die Museumsleitung zum Museumsnachtisch ein. In 20-minütigen Geschichtshappen gibt es neue Einblicke, überraschende Objekte und Dokumente, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Wer tiefer eintauchen möchte, kann dies bei Museumsabenden, Workshops oder Exkursionen in die Region tun. Hier wird Geschichte nicht nur gezeigt, sondern im Gespräch, beim gemeinsamen Nachdenken und manchmal sogar draußen erlebbar gemacht – wie bei der Exkursion nach Gundheim am 9. Mai.

Besonders lebendig wird es bei „KIMA – Kinder im Museum Alzey”. Ob Römerkinder aus Altiaium, römische Kunst und Technik in den Osterferien oder Streifzüge durchs mittelalterliche Alzey: Hier wird gebaut, ausprobiert, gefragt und gelacht. Geschichte darf hier schmutzig, neugierig und laut sein – genau so, wie sie sein sollte.

Ein vollgepacktes Jahr im Museum Alzey hat also bereits begonnen. Die Planungen sind größtenteils abgeschlossen, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – auch mit Blick auf die Zukunft: 2027 wird Alzey nämlich 750 Jahre Stadtrechte feiern. Wie gefeiert wird? Der Antwort auf diese Frage nähern sich die Teilnehmenden bei einem gemeinsamen Rundgang am 19. März durch das Museum an. 

Und ab dem Jahr 2028 steht dann eine Neugestaltung auf dem Programm. Die ur- und frühgeschichtliche sowie die provinzialrömische Abteilung sollen Schritt für Schritt neu aufgestellt werden. Die Steinhalle mit Gigantensäulen und Co. bleibt dabei selbstverständlich erhalten. 

Vielleicht ist genau das das Erfolgsgeheimnis des Museums Alzey: Hier wird Geschichte nicht abgelegt, sondern immer wieder neu beleuchtet. Ein engagiertes Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen macht das möglich. Seit Jahren füllen sie das Museum mit Leben – als Ort der Begegnung und des Austauschs sowie als Wohnzimmer für alle, die sich für Geschichte interessieren.

Wer wissen will, was wann passiert, findet alle Termine im städtischen Veranstaltungskalender sowie unter www.museum-alzey.de.

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