Am Mittwoch, 14. Januar, haben im Bereich des Dauerstaus Arbeiten begonnen, die bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Fragen aufwerfen können. Im Auftrag der Stadt entfernt eine Fachfirma derzeit Bäume und Sträucher im Bereich des Dammes sowie am Einlaufbauwerk in die Selz. Die Arbeiten sind Teil des Hochwasserschutzes und gehen auf eine Anweisung der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) als Obere Wasserbehörde zurück.
Der Dauerstau ist für viele Menschen ein beliebtes Naherholungsgebiet und zugleich Lebensraum für zahlreiche Tiere wie Gänse, Enten oder Nutrias. Trotz seines idyllischen Erscheinungsbildes handelt es sich jedoch nicht um eine Grünanlage oder gar ein Naturschutzgebiet, sondern um ein technisches Bauwerk zum Schutz der Bevölkerung. Der Dauerstau wurde in den 1960er-Jahren als Hochwasserschutzanlage errichtet, um die Innenstadt vor Überschwemmungen durch die Selz zu schützen, wie es etwa im Jahr 1949 geschehen ist. Damit diese Schutzfunktion auch bei Starkregenereignissen zuverlässig greift, unterliegt das Bauwerk strengen Vorgaben und regelmäßigen Kontrollen, die aus den Lehren der Ahrtalkatastrophe verstärkt in den Fokus gerückt sind.
Dazu gehört auch die Einhaltung einer sogenannten Baumtabuzone. Wurzeln und Gehölzbewuchs können in den Damm oder den Dammfuß hineinwachsen und die Stabilität sowie die Dichtigkeit des Bauwerks beeinträchtigen – mit potenziell schweren Folgen für die Kernstadt im Hochwasserfall. Die aktuell laufenden Arbeiten dienen genau dazu, diese Risiken zu minimieren. Bereits in den vergangenen Jahren wurden aus diesem Grund auf Anweisung der SGD Süd Kleingartenanlagen rund um den Dauerstau zurückgebaut, um die Gefahr von Treibgut zu verringern, das bei Hochwasser die Anlage beschädigen oder verstopfen könnte.

Insgesamt werden aufgrund der gesetzlichen Vorgaben in den kommenden Wochen auf mehreren kleineren Teilflächen Gehölze auf einer Fläche von insgesamt rund 2.000 Quadratmetern entfernt. Betroffen sind sowohl einzelne Sträucher und Bäume als auch dichter bewachsene Bereiche. Insgesamt müssen 28 Bäume gefällt werden. Besonders deutlich sichtbar sind die Arbeiten nördlich des Einlaufbauwerks auf der Seeseite sowie auf der Fläche neben der Kleingartenanlage, da diese Bereiche derzeit stark bewachsen sind und vollständig freigemacht werden müssen. Die große, vielen bekannte Trauerweide bleibt erhalten.
Die Arbeiten sind zeitlich bewusst eng begrenzt. Sie haben am 14. Januar begonnen und müssen spätestens bis zum 28. Februar abgeschlossen sein – also bevor die Brut- und Setzzeit startet. Die dafür notwendige Genehmigung wurde von der Unteren Naturschutzbehörde erteilt. Grundlage für die Maßnahme war eine naturschutzfachliche Prüfung, die Umfang und Auswirkungen der Eingriffe bewertet hat.
Klar ist dabei auch: Wo Bäume und Sträucher weichen müssen, wird an anderer Stelle wieder neues Grün geschaffen. Auf städtischen Flächen im räumlichen Zusammenhang wird gezielt nachgepflanzt. Heimische Baumarten sollen dort die natürliche Gehölzentwicklung unterstützen und langfristig neue grüne Bereiche entstehen lassen. Zusätzlich werden im Umfeld Fledermauskästen sowie Nistkästen für Höhlenbrüter angebracht. Die artenschutzrechtliche Prüfung hat gezeigt, dass die laufenden Arbeiten ohne Gefährdung geschützter Arten umgesetzt werden können.
Der Stadt ist bewusst, dass Baumfällungen gerade in einer Zeit, in der Stadtgrün, Klimaanpassung und Begrünung zu Recht eine große Rolle spielen, von der Bevölkerung kritisch gesehen werden. Die Maßnahme am Dauerstau steht jedoch nicht im Widerspruch zu den erklärten Zielen der Stadt in Sachen Begrünung. Ein funktionierender Damm schützt die Stadt und ihre Menschen – und schafft damit überhaupt erst die Voraussetzung, Grünflächen, Lebensräume und Naherholung dauerhaft zu erhalten. Wo aus Sicherheitsgründen keine Bäume stehen dürfen, müssen Flächen frei bleiben. Dort, wo es möglich ist, wird Grün bewusst und gezielt gefördert und weiterentwickelt.

