Die Stadt Alzey setzt mit ihrem innovativen Strombilanzkreismodell ein deutliches Zeichen für den kommunalen Klimaschutz und bewirbt sich damit beim Klimawettbewerb des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz 2025. Mit dem Modell erhöht die Stadt den Eigenverbrauch ihres selbst erzeugten Photovoltaikstroms in mehreren kommunalen Liegenschaften und senkt so langfristig sowohl Stromkosten als auch fossilen Energieverbrauch. Konkret bedeutet dies, dass zum Beispiel die PV-Anlage auf dem Rathaus bilanziell das Freibad mitversorgen kann, obwohl diese räumlich getrennt sind.
Ein Strombilanzkreis ermöglicht die bilanzielle Verrechnung von lokal erzeugtem erneuerbarem Strom mit dem Verbrauch in verschiedenen kommunalen Gebäuden über das öffentliche Stromnetz innerhalb der Zeitgleichheit von 15 Minuten. Dadurch wird weniger Strom zu Marktpreisen zugekauft. Für die Umsetzung sind intelligente Messsysteme (Smart Meter) bzw. registrierende Leistungsmessung sowie ein professionelles Bilanzkreismanagement notwendig, wodurch zugleich der Smart-Meter-Rollout in der Stadt vorangetrieben wird.
Die Vorarbeit und Wirtschaftlichkeitsprüfung startete 2023 durch den städtischen Klimaschutzmanager Marcel Klotz. Nach einer Ausschreibung konnte mit der EWR AG ein erfahrener regionaler Energieversorger und -dienstleister als Partner gewonnen werden, der das Strombilanzkreismodell als Pilotprojekt in Alzey umsetzt. In enger Kooperation mit der EWR Netz GmbH als verantwortlichem Netzbetreiber werden intelligente Messkonzepte realisiert und die erforderliche messtechnische Infrastruktur aufgebaut. Das Modell ist am 1. Oktober 2025 in den Regelbetrieb gestartet.
Die kommunalen Gebäude der Stadt Alzey verbrauchen im Jahr rund 923.000 kWh Strom. Mit Unterstützung des Kommunalen Investitionsprogramms Klimaschutz und Innovation (KIPKI) des Landes Rheinland-Pfalz werden bis Anfang 2026 rund 436 kWp Photovoltaik auf kommunalen Dächern installiert sein, die jährlich etwa 400.000 kWh Strom erzeugen. Das Strombilanzkreismodell ermöglicht es der Stadt, diesen Anteil des Eigenverbrauchs sukzessive zu steigern und in der Treibhausgasbilanz der kommunalen Gebäude jährlich bis zu 80 Tonnen CO₂ zu vermeiden. Neben den Landesmitteln aus KIPKI setzt die Stadt eigene Haushaltsmittel ein, um das wirtschaftlich attraktive Projekt langfristig abzusichern; ein wichtiger Hebel ist dabei die Einbindung großer Verbrauchsstellen wie Feuerwache, Freibad und das künftige Hallenbad.
Bürgermeister Steffen Jung unterstreicht die strategische Bedeutung des Vorhabens: „Das Strombilanzkreismodell in Alzey ist eine innovative Antwort auf steigende Strompreise und die kommunalen Herausforderungen des Klimaschutzes. Es zeigt, wie Kommunen durch technische Innovation, Vernetzung und Nutzung geeigneter Förderprogramme ambitionierte Projekte erfolgreich realisieren können. Die konsequente Nutzung der Landesförderung, die Einbindung der größten Verbraucher und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der EWR AG waren entscheidend für die Wirtschaftlichkeit und den bisher erreichten Erfolg.“
Die EWR AG übernimmt als Strombilanzkreisverantwortliche die kaufmännische und regulatorische Abwicklung und fungiert gleichzeitig als sogenannter „Reststromlieferant“. Stephan Wilhelm, Vorstand der EWR AG, hebt den Pilotcharakter hervor: „Für die EWR AG ist das Strombilanzkreismodell der Stadt Alzey ein wichtiges Referenzprojekt, um gemeinsam mit Kommunen nachhaltige und praxistaugliche Lösungen für eine höhere Eigenstromnutzung aufzubauen. Über den Bilanzkreis konnten intelligente Messkonzepte, eine engmaschige digitale Auswertung von Stromflüssen und die Einbindung moderner Technik in bestehende Infrastrukturen etabliert werden.“
Mit der Tochtergesellschaft Climate Connection prüft EWR derzeit, wie das erprobte Bilanzkreismodell inklusive der erforderlichen wirtschaftlichen Voruntersuchung zukünftig auch anderen Kommunen und Organisationen angeboten werden kann. Das Projekt in Alzey dient dabei als Blaupause für weitere Kommunen in der Region, die ihren Eigenverbrauch aus erneuerbaren Energien erhöhen und ihre Klimaziele schneller erreichen wollen.
Die Stadt Alzey bedankt sich bei der EWR AG und der EWR Netz GmbH für die Pionierarbeit und die konstruktive Zusammenarbeit. Das Vorhaben ist ausdrücklich als Vorbild- und Lernprojekt angelegt, um durch Wissenstransfer, Praxiserfahrungen und Schulungen die Verbreitung des Modells in anderen Kommunen und Organisationen zu erleichtern. Bereits heute stößt das Projekt bundesweit auf Interesse und wurde auf Fachveranstaltungen, unter anderem der Energieagentur Rheinland-Pfalz und des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), vorgestellt.

