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Platz der Literatur: Alzeys eigener Walk of Fame mitten auf dem Stadthallenplatz


Auf dem Hollywood Boulevard sind es Sterne im Bürgersteig. In Alzey sind es Bronzetafeln auf dem Stadthallenplatz. Das Prinzip ist dasselbe: Wer Herausragendes geleistet hat, hinterlässt eine bleibende Spur. Und so hat Alzey seit Samstag, 24. Oktober, seinen eigenen literarischen Walk of Fame. Den „Platz der Literatur".

14 Bronzetafeln erinnern künftig an die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Elisabeth-Langgässer-Literaturpreises, den die Stadt Alzey seit 1988 alle drei Jahre vergibt. Namen wie Christa Wolf, Rafik Schami und Daniel Kehlmann prangen im Boden vor den im vergangenen Jahr eingeweihten und bepflanzten Sitzmöglichkeiten. Namhafte Autoren, die die deutschsprachige Literatur geprägt haben. Hier läuft sicherlich kein Tourist im Vorbeigehen einfach drüber: Die Tafeln laden dazu ein, kurz innezuhalten. Sich das passende Werk aus dem Bücherschrank zu nehmen und im Schatten des Grüns der Stauden und Bäume Platz zu nehmen, um in die Werke der Preisträger einzutauchen.

Ein Schrank für alle – und eine kleine Sensation

Denn genau das ist das Besondere an diesem Platz: Er hört nicht beim Erinnern auf. Direkt daneben steht ein Outdoor-Bücherschrank aus robustem Cortenstahl. Hergestellt wurde er von der Firma urbanlife aus Köln. Er bietet Platz für 400 bis 450 Bücher, die kostenlos, unkompliziert und für jede Generation das Lesen ermöglichen. Wer möchte, nimmt ein Buch mit. Wer will, bringt dieses oder ein anderes zurück. Ganz ohne Ausweis, Gebühr und Rückgabedatum.

Dass dieses Modell auch künftig in Alzey funktioniert, liegt nicht nur am beliebten Konzept der Bücherschränke, sondern an drei Frauen: Christa Potten, Inge Ruckes und Ursula Nestmann haben die Patenschaft für den Bücherschrank übernommen und kümmern sich mindestens einmal pro Woche um Ordnung und Pflege. Ohne dieses Engagement wäre der Bücherschrank wohl schnell nur noch ein Möbelstück. Mit der Pflege durch die Ehrenamtlichen lebt der Schrank. Und die Erstausstattung ist nicht willkürlich gewählt: Werke aller bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger sowie Gedichte, Romane und Erzählungen von Elisabeth Langgässer selbst laden zum Blättern, Mitnehmen und Entdecken ein.

Bronze aus der Pfalz – Kunst mit Gewicht

Die 14 eingelassenen Bronzetafeln sind kein Massenprodukt. Gestaltet hat sie der Bildhauer und Künstler Bernhard Mathäss aus Neustadt an der Weinstraße, bekannt unter anderem durch seine Arbeit am „Weg der Weinlegenden". Gegossen wurden sie von der Metallgießerei Hack GmbH aus Eisenberg in der Pfalz. Dass die Tafeln rechtzeitig zur Einweihung fertig wurden, ist dabei keine Selbstverständlichkeit: Das Team nahm das Projekt kurzfristig in seine Arbeitsabläufe auf und lieferte in sehr kurzer Zeit.

Die Umgestaltung des Stadthallenplatzes zum „Platz der Literatur" kostet rund 35.000 Euro. Dank der Landesförderung zur Belebung der Innenstädte im Rahmen des Modellvorhabens „Innenstadt-Impulse" belaufen sich die Kosten für die Stadt auf gerade einmal zehn Prozent der Gesamtkosten – also rund 3.500 Euro. An der Begrünung des Platzes und den Kosten für die Arbeiten des Bauhofs haben sich zudem die EWR AG und die Volksbank Alzey-Worms eG mit ihren Neujahrsspenden eingebracht.

Ein Platz mit Geschichte

Den Stadthallenplatz gibt es in seiner heutigen Form seit Anfang der 2010er-Jahre. Die Elisabeth-Langgässer-Bank – 2011 vom Altertumsverein Alzey gestiftet – gehört längst dazu. Das Holz der Bank wird demnächst durch den Altertumsverein erneuert. Auch Lesepult und Lesekasten wurden inzwischen neu hergestellt und von Schülerinnen und Schülern des Elisabeth-Langgässer-Gymnasiums Alzey mit Texten gefüllt. Ein Projekt, bei dem sich ein Kreis schließt: Die Schule, die den Namen der Alzeyer Schriftstellerin trägt, belebt heute den Ort, der ihr gewidmet ist.

Abgerundet wird das Bild durch die neu gestalteten Stromkästen, die ebenfalls über das Landesprogramm gefördert wurden und dem Platz nun ein stimmiges Gesamtbild geben.

„Hollywood hat seinen Walk of Fame – Alzey hat seinen ‚Platz der Literatur'", sagt Bürgermeister Steffen Jung. „Das klingt vielleicht groß, aber es ist genau das. Denn Literatur gehört nicht nur in Bücher und Bibliotheken, sie gehört mitten in die Stadt. Auf den Platz, wo Menschen spazieren, sitzen, reden. Ich freue mich, dass wir mit diesem Projekt Erinnerung und Begegnung verbinden. Und ich danke allen, die sich dafür eingesetzt und dazu beigetragen haben, das möglich zu machen."

Alzeys bedeutendste literarische Tochter

Elisabeth Langgässer wurde am 23. Februar 1899 in Alzey geboren und verstarb am 25. Juli 1950 in Karlsruhe. Sie gehörte zu den bedeutendsten christlich orientierten deutschen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Bekannt ist Alzeys Tochter für ihre Lyrik, ihre Erzählungen und ein Werk, das von der Spannung zwischen dem Triebhaften und dem Göttlichen durchdrungen ist.

Seit 1986 verleiht die Stadt Alzey alle drei Jahre den nach ihr benannten Literaturpreis an deutschsprachige Autorinnen und Autoren, deren Werk sich sprachlich und inhaltlich würdig in ihre Nachfolge einreiht. Über die Vergabe entscheidet ein fünfköpfiger literarischer Beirat unter dem Vorsitz des Literaturkritikers Thomas Koch.

2027 kommt Christoph Peters nach Alzey

Eine der 14 nun verlegten Bronzetafeln blickt bereits in die Zukunft: Sie trägt den Namen Christoph Peters – des 14. Preisträgers, dessen Auszeichnung im Februar 2027 stattfindet.

Peters zählt zu den markantesten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Bekannt für seine präzise Beobachtung, mutige Themenwahl und sprachliche Tiefe. Sein viel diskutierter Roman „Entzug", in dem er seine eigene Alkoholsucht und den Weg heraus verarbeitet, ist hierfür ein gutes Beispiel. Der literarische Beirat wählte ihn einstimmig.

Die Lesung mit Christoph Peters findet am Freitag, 26. Februar 2027, um 20 Uhr in der Mensa der Gymnasien statt. Die Preisverleihung folgt am Samstag, 27. Februar 2027, um 10 Uhr, ebenfalls in der Mensa der Alzeyer Gymnasien, Frankenstraße 12. Der Eintritt zu Lesung und Verleihung ist frei.

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