
Alle drei Jahre ehrt die Stadt Alzey mit dem Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis einen Autor oder eine Autorin, dessen oder deren Werk sich in Sprache und Haltung würdig in die Nachfolge der Alzeyer Schriftstellerin einreiht. Im Jahr 2027 geht diese Auszeichnung an Christoph Peters.
Der literarische Beirat der Stadt Alzey hat den Schriftsteller einstimmig gewählt. Damit folgt auf Nora Bossong, Preisträgerin aus dem Jahr 2024, nun ein Autor, der – so der Beirat in seiner Begründung – gleichermaßen kreativ, ungewöhnlich und nah am Leben schreibt. Peters zählt zu den markantesten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Bekannt ist er für seine präzise Beobachtung, mutige Themenwahl und seine Unnachgiebigkeit in der sprachlichen Durchdringung seiner Inhalte.
Vom Niederrhein in die Welt
Christoph Peters wurde in Kalkar am Niederrhein geboren. Vor seinem Debütroman studierte er Malerei in Karlsruhe – zuletzt als Meisterschüler –, arbeitete als Fluggastkontrolleur am Frankfurter Flughafen und lebte von 1995 bis 2000 in Mainz. Eine Biografie also, die weniger nach Schreibtisch und Elfenbeinturm riecht, sondern nach gelebter Wirklichkeit. Und genau das spürt man in seinen Werken.
1999 erschien sein erster Roman „Stadt Land Fluß“, der eine Reflexion über Kindheit, Heimat und das Verschwinden darstellt. Seitdem hat der 59-Jährige 18 weitere Bücher veröffentlicht, die thematisch kaum breiter gefasst sein könnten: Istanbul, Berlin, japanische Ess- und Lebenskultur, Internatsalltag an der deutsch-niederländischen Grenze, dörfliches Leben am Niederrhein.
Ein Werk ohne Schonraum
Für besonderes Aufsehen sorgte Peters zuletzt mit seiner Berlin-Trilogie – „Der Sandkasten“, „Krähen im Park“ und „Innerstädtischer Tod“ (2022–2024). Die drei Romane analysieren den Zustand der sogenannten Berliner Republik. Der letzte Band der Trilogie beschäftigte sogar das Bundesverfassungsgericht: Ein Berliner Galerist klagte, weil er sich in einer Figur wiedererkannte – und scheiterte.
Mutig ist auch Peters jüngster Roman „Entzug“: Darin thematisiert er seine eigene 25-jährige Alkoholsucht und den Entzug im Jahr 2005.
Zu den Auszeichnungen, die Peters bereits erhalten hat, zählen der Georg-K.-Glaser-Preis, der Rheingau-Literaturpreis und der Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Homburg.
Bürgermeister Steffen Jung freut sich über die Entscheidung des literarischen Beirates der Stadt und die Verleihung an den Autor: „Der Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis ist die höchste literarische Auszeichnung, die unsere Stadt zu vergeben hat. Alle drei Jahre stellt die Verleihung ein kulturelles Highlight für Alzey dar. Mit Christoph Peters hat der literarische Beirat einen Preisträger vorgeschlagen, der diese Auszeichnung in jeder Hinsicht verdient: ein Autor mit einer unverwechselbaren Tiefe, der mit seinen Werken immer wieder überrascht und bewegt. Ich freue mich sehr auf die Preisverleihung im Februar 2027 und ganz besonders auf die Lesung am Vorabend, die sicher ein besonderer Abend für alle Literaturfreundinnen und Literaturfreunde in Alzey und der Region wird.“
Die Preisverleihung findet am Samstag, dem 27. Februar 2027 statt. Am Vorabend, 26. Februar 2027, wird es eine Lesung geben. Der Eintritt ist frei. Traditionell finden Lesung und Preisverleihung am Wochenende nach Elisabeth Langgässers Geburtstag am 23. Februar statt. Das Preisgeld wird von der Stiftung der Volksbank und der Volksbank Alzey-Worms eG mit Niederlassung VR-Bank Mainz gestiftet. Über die Verleihung entschieden die fünf Mitglieder des literarischen Beirats unter dem Vorsitz von Literaturkritiker Thomas Koch.

