Wer abends durch die Antoniterstraße geht, am Kronenplatz vorbeikommt, den Obermarkt quert oder einfach in der Nähe wohnt, kennt die Situation: Lärm bis spät in die Nacht und Müll, der immer wieder an denselben Stellen auftaucht. Die Stadt Alzey weiß um die Konflikte im öffentlichen Raum – und sie handelt. Gestern Abend hat Pascal Lang, Sachgebietsleiter für Allgemeines Ordnungsrecht, dem Stadtrat berichtet, was seit dem jüngsten Sachstandsbericht im November 2025 konkret passiert ist.
KVD ist unterwegs – auch wenn man ihn nicht immer sieht
Die gute Nachricht zuerst: Der Kommunale Vollzugsdienst ist wieder in voller Personalstärke im Einsatz. Eine vakante Stelle wurde zwischenzeitlich nachbesetzt – das war wichtig, weil die Anforderungen in der Innenstadt, insbesondere in den Sommermonaten, das volle Team nötig machen. Der KVD ist täglich in den bekannten Bereichen unterwegs: Museumsplatz, Kronenplatz, Obermarkt, Wächterspfad, Ruprechtstraße, Antoniterstraße – und das auch in den Abendstunden bis Mitternacht. Die bekannten Schwerpunkte werden dabei nicht nur bei konkreten Beschwerden angesteuert, sondern im Rahmen fester Streifenrouten mehrfach täglich kontrolliert.
Allein vom 1. Januar bis Mitte September 2026 wurde der KVD in diesen Bereichen 39 Mal wegen Lärm und 44 Mal wegen Müll und illegaler Abfallentsorgung tätig. Hinzu kamen Einsätze wegen Belästigungen und Störungen im Zusammenhang mit Alkohol- oder Drogenkonsum. Insgesamt wurden 17 Platzverweise ausgesprochen. Mehrere Bußgeldverfahren laufen – zwei wegen alkoholbedingten Lärmens, vier wegen Ruhestörung, fünf wegen illegaler Abfallentsorgung.
Was in diesen Zahlen nicht steckt: die vielen Präsenzstreifen, bei denen es keine konkreten Einsätze gab, weil die sichtbare Präsenz der Ordnungskräfte bereits Wirkung zeigt. Diese Streifen sind ein wesentlicher Teil der täglichen Arbeit, auch wenn sie in keiner Statistik auftauchen.
Bei der Bekämpfung illegaler Müllablagerungen arbeitet der KVD eng mit der Abfallwirtschaft und externen Reinigungsdiensten zusammen. Festgestellte Ablagerungen werden umgehend gemeldet, Verursacher wo immer möglich ermittelt und ordnungsrechtlich verfolgt. Gleichzeitig werden die vor Ort angetroffenen Personen direkt auf die ordnungsgemäße Entsorgung hingewiesen.
Hand in Hand mit der Polizei
Nicht nur der städtische KVD ist aktiv. Ordnungsbehörde und Polizeiinspektion Alzey sind regelmäßig gemeinsam in der Innenstadt unterwegs. Die gemeinsamen Streifen ergänzen die städtischen Kontrollen und ermöglichen bei aktuellen Auffälligkeiten eine direkte Abstimmung vor Ort.
Ein besonderes Augenmerk gilt dabei auch E-Scootern in der Fußgängerzone. Da es sich hier um fließenden Verkehr handelt, ist der KVD rechtlich nicht befugt, Scooter anzuhalten oder Bußgelder zu verhängen – das ist allein Sache der Polizei. Bei entsprechenden Kontrollen konnten in den vergangenen Wochen mehrere Verstöße hinsichtlich Zulassung und technischer Beschaffenheit festgestellt und geahndet werden.
Auch abseits der Kontrollen tut sich was: Regelmäßige Lagebesprechungen zwischen verschiedenen Behörden und Stellen sorgen dafür, dass neue Entwicklungen schnell bewertet und Maßnahmen abgestimmt werden. Was die Stadt feststellt und weiterleiten muss, landet dank kurzer Wege direkt bei den zuständigen Stellen – ob Abfallwirtschaft, Reinigung oder Polizei.
Die Soziallotsin: Gespräche, die etwas bewegen
Seit dem 1. Januar 2026 ist die Soziallotsin – in Kooperation mit dem DRK-Kreisverband – offiziell im Einsatz. Ihr Ansatz ist ein anderer als der des KVD, aber genauso wichtig: Sie geht auf Menschen zu, spricht sie direkt an, erklärt kommunale Regeln und Abläufe, vermittelt bei Sprachbarrieren und Missverständnissen – und wirkt auf Konflikte ein, bevor sie eskalieren.
Inzwischen konnten tragfähige Kontakte zu verschiedenen bulgarischen Gemeinschaften aufgebaut werden, insbesondere in der Ruprechtstraße und der Antoniterstraße. Das ermöglicht es, konkrete Probleme nicht nur schriftlich oder allgemein anzusprechen, sondern direkt im Gespräch mit Betroffenen und Multiplikatoren. Eine mehrsprachige Neubürgermappe und Sprachmittlung unterstützen die Verständigung zusätzlich.
Die Erfahrungen der vergangenen Monate zeigen: Die persönliche, wiederholte Ansprache trägt erste Früchte. Bei der Abfallentsorgung und bei Ansammlungen im öffentlichen Raum sind an verschiedenen Stellen bereits Verbesserungen sichtbar, das Beschwerdeaufkommen ist leicht rückläufig. Die Arbeit bleibt dennoch mühsam – die hohe Fluktuation der Menschen vor Ort bedeutet, dass aufgebaute Kontakte immer wieder neu geknüpft werden müssen. Aufklärung ist deshalb keine einmalige Aufgabe, sondern braucht kontinuierliche Präsenz. Das ist der Anspruch, dem sich Soziallotsin und KVD täglich stellen.
Wie es weitergeht
Die Verwaltung setzt den beschriebenen Weg fort: verstärkte Streifenpräsenz in den Abend- und Nachtstunden, konsequentes Einschreiten bei Verstößen, enge Abstimmung mit der Polizei und fortlaufende soziale Begleitung durch die Soziallotsin.
„Wir sind täglich dran – sichtbar und auch dort, wo man uns nicht immer sieht", betont Bürgermeister Steffen Jung. Als positives Signal wertet der Stadtchef dabei auch den Beschluss des Bundeskabinetts gegen Sozialleistungsbetrug, der unter anderem Maßnahmen bei Überbelegungen von Immobilien vorsieht. „Was der Bund am 23. September beschlossen hat, ist eine späte, aber richtige Erkenntnis: Städte wie Alzey können dieses Problem nicht alleine lösen. Wir tun, was wir können – und das zeigen auch die Zahlen dieses Berichts. Aber wir brauchen bessere Werkzeuge: einen stärkeren Datenaustausch zwischen den Behörden, klarere Regeln für Problemimmobilien und konsequentere Möglichkeiten, wenn Freizügigkeit missbraucht wird. Genau das adressiert der Aktionsplan. Ich erwarte jetzt, dass aus dem Kabinettsbeschluss schnell konkrete Gesetze und Befugnisse werden – das wird sich auch auf den Straßen und Plätzen unserer Stadt widerspiegeln."

