Im Alzeyer Osten tut sich was in Sachen bezahlbarer Wohnraum: 88 neue, öffentlich geförderte Wohnungen entstehen in der Siegfried- und Kriemhildenstraße. Barrierefrei, generationenübergreifend gedacht und nachhaltig bis in den letzten Stein. Was auf dieser Fläche gerade entsteht, ist das bislang größte Wohnbauprojekt der Alzeyer Baugesellschaft (ABG).
„Die Nibelungenhöfe sind für uns kein gewöhnliches Bauprojekt", betont Volker Riedel, Geschäftsführer der Alzeyer Baugesellschaft. „Wir schaffen hier nicht nur Wohngebäude. Wir bauen ein Quartier, das ganzheitlich gedacht ist. Einen Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenssituationen miteinander statt nur nebeneinander leben können. Bezahlbar, barrierefrei – und mit dem Anspruch, dass Wohnen mehr ist als vier Wände."
Manche der letzten Mieterinnen und Mieter der Siedlung haben dort jahrzehntelang gelebt. Die Einfachbauten in der Siegfried- und Kriemhildenstraße gehörten zum Alzeyer Osten wie selbstverständlich dazu. Doch die Gebäude entsprachen nicht mehr dem, was zeitgemäßes Wohnen heute braucht. Bausubstanz und energetischer Zustand ließen keine sinnvolle und wirtschaftlich tragfähige Modernisierung mehr zu.
Dennoch: Die ABG hat die Entscheidung zum Abriss nicht leichtgenommen. Bereits im September 2024 wurden die Mieterinnen und Mieter in einer Versammlung persönlich und offen informiert. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern wurde im Anschluss nach passenden Alternativen gesucht. Wer wollte, zog in eine andere ABG-Wohnung. Für andere wurden – abgestimmt auf die jeweiligen Lebenssituationen – neue Lösungen gefunden.
„Es war uns wichtig, niemanden einfach zurückzulassen", sagt Volker Riedel. „Jeder Mensch, der in unseren Wohnungen lebt, verdient eine Lösung, die zu ihm passt. Und ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, für alle eine gute Lösung zu finden."
Über die vergangenen Wochen wurden die Gebäude schrittweise für den Abriss vorbereitet. Nun erfolgt der Rückbau der Bestandsgebäude. Was bleibt, ist der Raum für ein modernes Wohnquartier, das Generationen verbindet und bei dem Nachhaltigkeit von der ersten Schaufel an eine große Rolle spielt.
Nachhaltigkeit von Anfang an
Denn Abriss bedeutet hier nicht einfach: weg damit. Mit der Ausführung der Abbrucharbeiten wurde die Aßmuß Bau GmbH aus dem Landkreis beauftragt. Ein Familienunternehmen in dritter Generation mit mehr als 50 Jahren Erfahrung in Recycling und Wiederverwertung.
Christoph Aßmuß erklärt das Prinzip dahinter: „Die vorhandenen Gebäude werden kontrolliert zurückgebaut und die Materialien sorgfältig getrennt. Der mineralische Bauschutt wird aufbereitet und direkt als geprüfter Sekundärbaustoff zur Verfüllung der Kellerbereiche des Neubaus wiederverwendet. Ein großer Teil des Materials bleibt so unmittelbar auf dem Gelände. Das spart nicht nur Transporte, reduziert Emissionen und schont Rohstoffe, sondern trägt auch dazu bei, dass die über Jahrzehnte prägenden Einfachbauten Teil des Neuen werden."
Materialien, die nicht als Recycling-Schotter wiederverwendet werden können, werden ordnungsgemäß entsorgt. Die gesamte Aufbereitung und der Wiedereinbau werden fachtechnisch begleitet und überwacht.
Ein Teil der alten Einfachbauten bleibt also wortwörtlich im neuen Quartier erhalten – als Fundament, nicht als bloße Erinnerung. Für die ABG ist das Kreislaufwirtschaft im besten Sinne.
Was entsteht
Auf einer Fläche von rund 9.400 m² entsteht eine neue Blockrandbebauung mit einem begrünten Innenhof im Zentrum. Insgesamt werden 88 öffentlich geförderte Wohnungen gebaut – davon 45 Sozialmietwohnungen und 43 Wohnungen für mittlere Einkommensbezieher. Ein ausgewogener Mix aus 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen, gedacht für Familien, ältere Menschen und Alleinstehende gleichermaßen.
Alle Wohnungen sind barrierefrei. Neun davon sind zusätzlich rollstuhlgerecht. Jede Wohnung hat einen Balkon oder eine Terrasse. Um Kosten zu sparen und schnell bauen zu können, werden die Gebäude in serieller, modularer Bauweise aus Stahlbetonfertigteilen errichtet. Wie schon beim Bauprojekt Alte Stadtgärtnerei arbeitet die ABG hier eng mit der Firma Goldbeck zusammen.
Was das neue Quartier besonders macht, ist das Konzept dahinter. Ein Innenhof, der für alle nutzbar ist – mit Bäumen, Ruhebereichen, einem Demenzgarten, barrierefreien Hochbeeten für Gemüse und Kräuter sowie einem Mehrgenerationenspielplatz, der Kinder genauso anspricht wie Erwachsene und Senioren.
Außerdem ist ein Bewohnertreff innerhalb des Quartiers geplant. Eine 4-Zimmer-Erdgeschosswohnung mit angeschlossener Terrasse wurde als Gemeinschaftsraum konzipiert und steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung – voll möbliert, mit behindertengerechter Küche und Flat-TV. Was dort passiert, entscheiden die Menschen, die dort leben, selbst. Ob gemeinsame Fernseh- und Spielabende oder regelmäßige Kochevents im Kreis der Nachbarn: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Auch an ältere Mieterinnen und Mieter ist im Konzept des Quartiers mitgedacht. Eine Sozialstation der AWO bietet häusliche Alten- und Krankenpflege direkt vor Ort an. Ein Büro des AWO-Betreuungsvereins ist ebenfalls Bestandteil des Quartiers. Wer in den heimischen vier Wänden auch im Alter selbstbestimmt leben möchte, findet dort Unterstützung – ohne lange suchen zu müssen.
Ebenfalls mitgedacht wurde das Thema Mobilität. Neben Carsharingangeboten im Quartier wird es eine Bikesharingstation geben. Wer kein eigenes Auto besitzt oder mit dem Gedanken spielt, sich vom Privat-Pkw zu trennen, bleibt so trotzdem mobil.
Wie es weitergeht
Für Bürgermeister und ABG-Aufsichtsratsvorsitzenden Steffen Jung ist das Projekt ein wichtiger Baustein für die Stadtentwicklung im Alzeyer Osten: „Das Neubauprojekt Nibelungenhöfe zeigt, was möglich ist, wenn man Wohnen wirklich neu denkt. Bezahlbarer, barrierefreier, moderner Wohnraum ist auch heute möglich. Generationenübergreifende Konzepte, Mobilitätsstationen und der Gedanke der Nachhaltigkeit machen die Nibelungenhöfe zu einem runden Paket, das Schule machen kann."
Die Gesamtfertigstellung ist für 2028 vorgesehen. Bis dahin entsteht im Alzeyer Osten Schritt für Schritt ein Quartier, das Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenssituationen ein echtes Zuhause bieten wird.
Volker Riedel bringt es abschließend auf den Punkt: „Die ABG baut nicht einfach Wohnungen. Wir schaffen Orte, an denen Menschen ankommen können – in jeder Lebensphase. Die Nibelungenhöfe sind dafür ein starkes Zeichen."

