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Winzerfest 2026

87. Alzeyer Winzerfest: Fünf Tage Lebensfreude, ein europäischer Moment und ein neuer Weinpass


Wenn fünf Festtage so laufen, als hätte jemand das Wetter persönlich bestellt, dann lässt sich nur eine Erklärung finden: Der liebe Gott muss ein Alzeyer sein. Das 87. Alzeyer Winzerfest bescherte der Stadt fünf gut besuchte Tage mit stabilem Spätsommerwetter. Lediglich der Sonntagnachmittag dämpfte die Stimmung kurz mit einem Regenschauer und etwas dünneren Besucherzahlen. Ansonsten: reges Treiben auf allen Festplätzen, ausgelassene Stimmung und ein Fest, das seinem Ruf als Publikumsmagnet im Herzen der Region und Höhepunkt des Alzeyer Veranstaltungsjahres mehr als gerecht wurde.

Bürgermeister Steffen Jung zieht eine positive Bilanz: „Das 87. Alzeyer Winzerfest war ein Fest, wie es sein soll: gut besucht, friedlich und voller Begegnungen. Genau das haben wir uns erhofft. Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Die Krönung von Anna I., die Verleihung des Weinkulturpreises an Jean-Claude Juncker als ersten internationalen Preisträger in der Geschichte des Preises und der Besuch unserer Freunde aus der Partnerstadt Kamenz haben dem Fest besondere Momente gegeben."

Ein europäischer Moment mitten in Alzey

Der emotionale und kulturelle Höhepunkt des Festes war die repräsentative Weinprobe mit der Verleihung der Georg-Scheu-Plakette. Als die AZ Big Band die Europahymne anstimmte, erhoben sich 550 Gäste auf der Wein- und Sektterrasse. Jean-Claude Juncker – ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission, langjähriger Premierminister Luxemburgs und bis dato eingefleischter Biertrinker – nahm die Auszeichnung entgegen. Als 25. Träger der Scheu-Plakette und als erster Nicht-Deutscher, dem diese Ehre zuteil wurde, schrieb er damit ein Stück Alzeyer Geschichte.

Laudator Udo van Kampen, selbst Träger des Preises aus dem Jahr 2002 und langjähriger EU-Korrespondent, zeichnete das Bild eines Mannes der Arbeit und des Dialogs – mit Witz, Wärme und persönlicher Nähe. Juncker selbst sorgte mit trockenem Humor für Lacher und mit klaren Worten für einen Hauch Nachdenklichkeit. „Europa und der Wein brauchen beide das Gleiche: Hege und Pflege", sagte er. Und: „In Europa geboren zu sein, hier aufgewachsen zu sein und hier zu leben, ist das Beste, was einem passieren kann." Den Abschluss machte Juncker mit einem Versprechen und einem Augenzwinkern: Er will wiederkommen – am liebsten zur 100. Verleihung der Scheu-Medaille. In 75 Jahren.

Durch 14 Weine aus dem Alzeyer Land führten Thomas Ehlke und René Harth mit Fachwissen und der notwendigen Leichtigkeit. „Was an diesem Nachmittag auf der Wein- und Sektterrasse entstanden ist, war mehr als nur eine Preisverleihung. Es war ein europäischer Moment – mitten in Alzey, mitten in unserem Winzerfest", fasst Bürgermeister Jung zusammen. „Jean-Claude Juncker hat unserer Stadt etwas mitgegeben: seinen Blick auf Europa, seinen Humor, seine Haltung. Mit diesem 25. Preisträger ist der Scheu-Preis wirklich europäisch geworden – und darauf sind wir sehr stolz."

Anna I. – eine neue Königin für Alzey

Für die frischgekrönte Weinkönigin Anna I. endete mit dem 87. Winzerfest ein erstes intensives und schönes Wochenende als Alzeyer Weinhoheit. Am Freitagabend hatte sie im Rahmen der offiziellen Eröffnung die Krone von ihrer Vorgängerin Nicole I. übernommen. Zwei Jahre lang hat sie nun die Aufgabe, die Stadt, ihre Menschen und den Wein zu repräsentieren.

„Mein erstes Winzerfest als Alzeyer Weinkönigin werde ich so schnell nicht vergessen", sagt die Alzeyer Weinhoheit. „Ich schaue zurück auf fünf Tage, die gezeigt haben, was diese Stadt ausmacht: Herzlichkeit, Zusammenhalt und eine echte Leidenschaft für den Wein. Ich bin stolz, meine Heimatstadt und ihre Menschen in den nächsten zwei Jahren repräsentieren zu dürfen. Ich freue mich auf all die Begegnungen, die noch kommen."

Familientag, Tag der Betriebe und volles Programm

Auch das Rahmenprogramm des Winzerfestes ließ wenig Wünsche offen. Ob die bereits zur Tradition gewordene Riesenradweinprobe als stimmungsvolles Pre-Opening, der beliebte Seniorennachmittag im Rheinhessendorf, das bunte Kinderprogramm auf der Wein- und Sektterrasse, die Walking Acts oder das vielfältige Bühnenprogramm an allen Festtagen: Auf allen Plätzen war viel geboten, und die Besucherinnen und Besucher jeden Alters nahmen es dankbar an.

Mit gut besuchten Formaten wie dem Freiwein- und Freisaftausschank, dem beliebten Autoscooter-Gottesdienst und dem traditionellen Freundschaftssingen auf der Wein- und Sektterrasse entstand über alle Festtage ein Angebot, bei dem jeder fündig werden konnte.

Besonders der Familientag und der Tag der Betriebe lockten zahlreiche Unternehmen und Festgäste auf die Plätze. Dass Montag und Dienstag längst keine Lückenbüßer mehr sind, sondern eigenständige Highlights mit eigener Identität, hat das 87. Winzerfest eindrucksvoll bestätigt.

Der Alzeyer Weinpass feiert Premiere

Eine echte Premiere feierte in diesem Jahr der Alzeyer Weinpass. Für 22 Euro konnten Interessierte und Weinentdecker flexibel über alle fünf Festtage hinweg zwölf Weine bei zwölf lokalen Winzern verkosten. Rund 250 Weinpässe wurden verkauft, und die Resonanz war rundum positiv. Für die Verantwortlichen ist das eine klare Ansage: Das Konzept hat Potenzial. Dass der Weinpass auch beim 88. Winzerfest 2027 zu haben sein wird, ist beschlossene Sache.

Friedliches Feiern und ausgelassene Stimmung

Was die Sicherheitsbilanz betrifft, können alle Beteiligten aufatmen: Das 87. Winzerfest war nicht nur gut besucht, sondern vor allem sehr friedlich. Für die Kolleginnen und Kollegen des Kommunalen Vollzugsdienstes gab es nur vereinzelt mit Wildpinklern und mitgebrachtem Alkohol zu tun. Angesichts der Größe des Festes mit mehreren Zehntausend Festbesuchern ist das eine überschaubare Bilanz. Auch in den Festwachen und Safe Rooms blieb es ruhig. Kleinere Schnittverletzungen und blaue Flecken – der Klassiker für DRK und Malteser auf dem Winzerfest – prägten das Bild der fünf Festtage. Vereinzelte Rettungswageneinsätze waren auf gesundheitliche Ursachen der Betroffenen zurückzuführen. Die Einsätze aufgrund von übermäßigem Alkoholkonsum, die die Kräfte insbesondere in den späten Abendstunden beschäftigten, blieben in einem erfreulich überschaubaren Rahmen.

Besonderes Augenmerk lag in diesem Jahr auf dem Jugendschutz. Das in Kooperation mit dem Kreisjugendamt und der Polizei durchgeführte Konzept mit Kontrollen von Jugendlichen zieht eine positive Bilanz. Alkohol im Jugendalter war weniger das bestimmende Thema als in den Vorjahren. Dafür rückten Vapes und das Rauchen allgemein unter Minderjährigen stärker in den Fokus – eingezogene Geräte inklusive.

Erstmals auf allen Kanälen dabei

Ebenfalls neu in diesem Jahr: die umfassende Begleitung des Winzerfestes über die Social-Media-Kanäle der Stadt. An allen fünf Festtagen war das Team vor Ort und gewährte tiefe Einblicke in das Festgeschehen, die verschiedenen Programmpunkte und die Arbeit hinter den Kulissen. Die Resonanz zeigt: Dieses Format kommt an und zeigt das Winzerfest, die Menschen und die Stimmung in der Stadt in ganz neuen Facetten.

150 Millionen Schritte für Alzey

Auch abseits der Festplätze haben die Alzeyerinnen und Alzeyer in diesem Jahr Außergewöhnliches geleistet. Im Rahmen der 150-Millionen-Schritte-Challenge von Lilly Deutschland – ausgerichtet anlässlich des 150. Geburtstags des US-Konzerns – schnürten Alzeyer Vereine gemeinsam mit den „Lillyanern" zehn Tage lang die Laufschuhe. Das gemeinsame Ziel: die Marke von 150 Millionen Schritten knacken. Das Ergebnis: deutlich übertroffen.

Für die Alzeyer Vereine bedeutet das mehr als nur eine beeindruckende Leistung. 25.000 Euro spendet Lilly am Winzerfestsonntag auf der Bühne der Wein- und Sektterrasse an die Sportförderung der Stadt – Geld, das direkt den Vereinen zugutekommt.

Bürgermeister Steffen Jung ist beeindruckt: „Was unsere Vereine hier in zehn Tagen geleistet haben, war schlicht beeindruckend. Diese Challenge hat gezeigt, was möglich ist, wenn alle geschlossen an einem Strang ziehen – und davon profitieren nun alle. Mein herzlicher Dank gilt jedem Einzelnen, der mitgelaufen ist, sowie Lilly Deutschland, die einmal mehr gezeigt haben, dass das Unternehmen in dieser Stadt wirklich angekommen ist. So sieht gelebtes Miteinander aus."

Nach dem Fest ist vor dem Fest

Auch wenn die Schausteller den Abbau schon so gut wie abgeschlossen haben: Das nächste Winzerfest kommt – und die Vorbereitungen laufen bereits. „Wir können stolz auf das vergangene Winzerfest sein. Und zugleich wird bereits jetzt deutlich: Auch nach diesem Jahr gibt es einige kleine Punkte, an denen man nachbessern kann", erklärt Bürgermeister Steffen Jung. In den kommenden Wochen werden die Rückmeldungen der Vereine, Schausteller und weiterer Beteiligter gesammelt, um punktuell bei Platzgestaltung und Rahmenprogramm Verbesserungen umzusetzen.

„Was mich allerdings auch in diesem Jahr wieder beeindruckt: der Einsatz der vielen Menschen, die dieses Fest erst möglich machen, und das gute Zusammenspiel aller Beteiligten. Das haben uns auch die Schausteller bestätigt, die gerne nach Alzey kommen, um den Alzeyerinnen und Alzeyern fünf Tage lang unbeschwerte Stunden zu bereiten. Solche durchweg positiven Rückmeldungen sind dabei nicht selbstverständlich – und das Miteinander von Vereinen, Schaustellern und unseren Winzern ist keineswegs ein Selbstläufer. Dafür, dass das so gut funktioniert, bin ich wirklich dankbar." Großer Dank gilt dabei auch all denjenigen, die das Fest im Hintergrund am Laufen halten – allen voran dem Team des Baubetriebshofes, das dann schon früh im Einsatz ist, wenn sich alle anderen noch vom Vorabend erholen. Und Jung ergänzt: „In der Eröffnungsrede habe ich davon gesprochen, dass persönliche Begegnungen durch nichts zu ersetzen sind. Das Winzerfest hat das in diesen fünf Tagen wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wir freuen uns bereits heute auf die 88. Auflage im kommenden Jahr."

Dabei steht jetzt schon fest: Das rheinhessische Lebensgefühl und der Charme des größten Innenstadtfestes der Region bleiben dem Winzerfest auch 2027 erhalten. Und der Alzeyer Wein sowieso.

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