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Weinkönigin

Krone, Juncker und leuchtende Kinderaugen: Anna I. ist in ihrem Amt angekommen


Am Winzerfestfreitag stand Anna Sträter auf der Bühne der Wein- und Sektterrasse, die Krone wurde aufgesetzt. Und von da an lief alles anders. Denn das Winzerfest kennt die Alzeyerin natürlich gut. Doch mit Krone auf dem Kopf war es diesmal ein anderes Fest für sie. Nicht schlechter. Einfach anders. „Das Winzerfest habe ich komplett anders wahrgenommen. Nicht negativ, sondern wirklich anders – als Repräsentantin", sagt Anna I., amtierende Alzeyer Weinkönigin. Was das bedeutet, hat die 21-Jährige in den ersten Wochen ihrer Amtszeit hautnah erfahren.

Das Amt beginnt nicht sanft. Es beginnt mit der Krönung. Und nur wenige Minuten später mit dem ersten Termin, dem nächsten Händedruck, dem nächsten Gespräch. Nahtlos gehen die Begegnungen ineinander über. Fünf Tage lang. „Darauf kannst du dich nicht wirklich vorbereiten. Das ist ein Sprung ins kalte Wasser", sagt Anna I. offen. Geholfen haben ihr die vergangenen Jahre, in denen sie das Winzerfest bereits als Helferin hinter den Kulissen oder als Besucherin mit Freunden auf den Festplätzen kennenlernte. Aber auf der Bühne zu stehen und zu reden, bei den verschiedenen Programmpunkten plötzlich im Zentrum zu stehen – das war dann doch neu.

Leuchtende Kinderaugen und ein Treffen, das nachwirkt

Eines der persönlichen Highlights der ersten Tage: der Freisaftausschank für Kinder aus dem Max auf dem Roßmarkt. „Die leuchtenden Kinderaugen, wenn sie die Krone sehen, ein bisschen Ehrfurcht und die vielen Fotos mit einer echten Königin – das war schon super schön. Für die ist das wirklich etwas Besonderes." Solche kleinen Momente sind es, die Anna I. beschreibt, wenn sie von ihren ersten Wochen erzählt. Das Hallo zwischendurch, das Zuprosten, das einfache, ungezwungene Gespräch, das sich von selbst ergibt. „Die Leute nehmen dich wahr, und du kommst sehr leicht ins Gespräch. Ich bin wirklich sehr offen aufgenommen worden."

Vor dem traditionellen Bierfassanstich im Rheinhessendorf hatte sie ehrlich gesagt Respekt. Ja, vielleicht auch ein bisschen Angst, wie sie sagt. Aber es klappte hervorragend – und machte deutlich, dass Weinköniginnen auch abseits von Riesling und Co. eine gute Figur machen können. Und dann war da noch ein Moment, der sich erst Tage später so richtig setzte. Bei dem erst dann deutlich wurde, welches Privileg es ist, dieses Amt ausüben zu dürfen: die Weinprobe mit Jean-Claude Juncker, dem diesjährigen Empfänger der Georg-Scheu-Plakette beim Winzerfest. „Das war alles andere als selbstverständlich. Erst eine Woche später hatte ich die Ruhe, es sacken zu lassen – und dann erst habe ich wirklich gemerkt, wie besonders es ist, mit solchen Persönlichkeiten an einem Tisch zu sitzen und ins Gespräch zu kommen."

Ingelheim: zu Gast, willkommen und gut aufgehoben

Lange Zeit zum Ausruhen blieb Anna ohnehin nicht. Kurz nach dem Winzerfest folgte bereits das Ingelheimer Rotweinfest – für Anna I. eine ganz andere Erfahrung als die fünf Festtage in ihrer Heimatstadt. Nicht im Mittelpunkt stehen, sondern als Gast da sein und das Fest genießen. „Da musst du nicht selbst organisieren, sondern bekommst gesagt, wie es läuft. Das war nach dem Alzeyer Winzerfest schon fast entspannt." Und der Empfang unter den Weinrepräsentantinnen und -repräsentanten der Region? Herzlich, respektvoll, familiär. „Die sind wie eine große Familie. Viel Respekt, viel Spaß, sehr offen."

Genau dieses Netzwerk will Anna I. in ihrer Amtszeit weiter ausbauen. Rund 30 Pflichttermine im Jahr stehen im Kalender – tatsächlich werden es deutlich mehr sein. Am kommenden Wochenende steht der Gau-Odernheimer Markt an. Eine Woche später folgt die Markteröffnung in Nieder-Hilbersheim. Das Prinzip: die richtigen Verbindungen knüpfen. Andere Weinhoheiten kennenlernen, gemeinsame Projekte in den sozialen Medien starten. Kurz: die Region gemeinsam nach vorne bringen.

Ein Amt, das sie mitgestalten will

Anna I. hat klare Vorstellungen, wohin die Reise gehen soll. Sie möchte enger mit den Alzeyer Winzern zusammenarbeiten und sie stärker in das Amt einbinden. „Ich bin Repräsentantin für die Menschen, unsere Stadt und natürlich auch für die Winzerinnen und Winzer", hält Anna fest. Und wenn bei offiziellen Anlässen die Weine der Winzerbetriebe – insbesondere des Stadtweingutes – verschenkt werden, warum nicht auch enger mit genau diesen kooperieren? Ihr Ziel ist klar: Sie möchte das Amt sichtbarer machen. Zeigen, was dahinter steckt, wie lebendig und vielfältig es wirklich ist. „Es muss nicht immer das Kleidchen sein. Ich will zeigen, wie cool das Amt eigentlich ist und welche Möglichkeiten es bietet. Nicht nur für einen selbst, sondern eben auch für unsere Stadt und die Region." Ihre Botschaft dabei: Für eine Weinkönigin in Alzey braucht man kein eigenes Weingut. Man braucht Neugier, die Offenheit für Neues und Lust, die Stadt zu vertreten.

Der Start in das zweijährige Amt war intensiv. Aber genau so, wie sie es sich erhofft hatte. „Positiver Stress", sagt Anna I. mit einem Lächeln. Vieles war in den vergangenen Tagen ein erstes Mal. Bereits kommendes Jahr wird manches davon Routine sein. Unvergessliche Momente hat sie dafür schon jetzt gesammelt – und da werden sicherlich noch viele dazukommen.

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