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05.04.2019

Museum Alzey: Sonderausstellung "Expedition Custine – Rheinland-Pfalz, Hessen und die gescheiterte Freiheit 1792/93"

In Alzey feierte man Ende des Jahres 1792 das 50-jährige Regierungsjubiläum des Landesherren, des Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor. Zu diesem Zeitpunkt standen in Mainz und seinen Vororten bereits Freiheitsbäume als Symbol einer neuen, von Volksherrschaft, Freiheit und Gleichheit bestimmten Zeit.

Dieses Symbol der Französischen Revolution war ein Export des revolutionären Frankreichs und seiner Truppen. Der militärische Versuch einer von Preußen und Österreich geführten Koalition, die Revolution zu beenden und die alten Machtverhältnisse wieder herzustellen, war gescheitert. Stattdessen gingen die Franzosen in die Gegenoffensive. Mit einem überraschenden Vorstoß Ende September 1792 vom Elsass her eroberte die französische Rheinarmee unter General Custine binnen eines Monats Speyer, Worms und Mainz sowie einige rechts des Rheins gelegene Gebiete.

Die kampflose Kapitulation der Festung und Residenzstadt Mainz am 21. Oktober 1792 markierte den Beginn der nur wenige Monate bis in den Juli des Folgejahres existierenden „Mainzer Republik“, die mit Ausnahme der neutralen pfälzischen Gebietsteile – und damit auch Alzeys – den gesamten Landstrich „zwischen Landau und Bingen“ umfasste. Befördert und abgesichert durch die militärische Macht der Franzosen fand hier ein demokratisches Experiment satt, das bis heute in Bezug auf seinen historisch-politischen Stellenwert umstritten ist. Zum einen verdanken wir ihm, so Franz Dumont, das „erste, nach allgemeinem Wahlrecht gewählte Parlament in Deutschland, das einen auf demokratischen Prinzipien (Freiheit, Gleichheit, Volkssouveränität) beruhenden Staat gründete“. Zum anderen aber war dieser Demokratieversuch durch das der Bevölkerung vorenthaltene Selbstbestimmungsrecht bezüglich der zukünftigen Staatsform und die territorialstaatliche Zugehörigkeit belastet. So ließ sich mancherorts der vor den Wahlen zum „Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent“ und zu den Gemeindevorständen abverlangte Eid, mit dem sich die Wahlberechtigten nicht nur von ihren bisherigen Landesherrschaften lossagen, sondern sich auch auf die Grundsätze von „Freiheit und Gleichheit“ verpflichten mussten, nur mit militärischer Drohung erwirken.

Sowohl der militärische Aspekt der „Expedition Custine“ als auch die Frage nach dem Platz , den die Mainzer Republik als „Erinnerungsort“ in der Geschichte der Demokratie in Deutschland beanspruchen kann bzw. sollte, werden in der von der Stiftung Historische Kommission für die Rheinlande 1789-1815 durch den Rechtshistoriker Dr. Mark Scheibe erarbeiteten Sonderausstellung thematisiert.

Die mit zahlreichen Exponaten der Zeit – so bildliche Darstellungen, Uniformen, Waffen, Kleidungsstücke, ja selbst eine Guillotine wird präsentiert – reich bestückte Sonderausstellung, der zudem die spezielle Alzeyer Perspektive hinzugefügt wurde, ist im Alzeyer Museum unter dem Titel „Expedition Custine – Rheinland-Pfalz, Hessen und die gescheiterte Freiheit 1792/93“ vom 9. April bis zum 14. Juli 2019 zu den normalen Öffnungszeiten zu sehen.

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