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Preisträger des Elisabeth-Langgässer-Literaturpreises der Stadt Alzey

Am 28. Februar 2015 wurde der Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis zum 10. Mal verliehen. Preisträger ist der Schriftsteller Peter Härtling.

In seiner Sitzung am 31. Juli 2014 hat der Literarische Beirat dem Schriftsteller Peter Härtling den Preis zuerkannt. Der Vorsitzende des Beirats, Thomas Friedrich Koch, zur Auswahl des Preisträgers: „Mit Peter Härtling möchte die Jury einen Schriftsteller ehren, der mit weiten Schritten den deutschen Kulturbetrieb durch-messen hat und überall Spuren hinterließ. Als Journalist und Lektor, als Lyriker, als Romanautor und Kinderbuchautor, als Radiomoderator. 

Peter Härtling und Christoph Burkhard bei Preisverleihung
 

Ein Alleinstellungmerkmal schuf sich Peter Härtling mit seinen einfühlsamen Künstlerbiografien, u. a. zu Dichtern wie Lenau, Hölderlin, Mörike und Waiblinger, sowie zu Musikerinnen wie Fanny Hensel-Mendelssohn. Sein Roman über Franz Schubert brachte es zum Bestseller. Auch mit seinen zahlreichen Erzählungen für Kinder fand Härtling große Beachtung.

Sogar Schulen sind mittlerweile nach ihm benannt. Untrennbar von Härtlings literarischem Schaffen ist sein politisches Engagement, unter anderem in der Öko- und Friedensbewegung. Mit dem Werk Elisabeth Langgässers ist Peter Härtling seit Jahrzehnten vertraut und verbunden. Peter Härtling ist unter anderem Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.“

Am 10. Juli 2017 verstarb Peter Härtling.

Folgenden Schriftstellern wurde der Preis bislang verliehen:

1988: Luise Rinser

Luise Rinsers Werk ist umfangreich und umfasst Romane, Erzählungen, Essays. Tagebücher, Reiseberichte und ihre zweibändige Autobiographie. Sie zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts. 

Immer wieder erregte sie Aufsehen durch ihr politisches Engagement als Christin und Sozialistin. Sie mischte sich aktiv in die politische und gesellschaftliche Diskussion in Deutschland ein, unterstützte Willy Brandt 1968 auf seinen Wahlkampfreisen, demonstrierte mit dem Schriftsteller Heinrich Böll gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik Deutschland und wurde zu einer scharfen Kritikerin der katholischen Kirche, die sie jedoch nicht verließ. Sie war eine führende Stimme des so genannten Linkskatholizismus in der Bundesrepublik Deutschland. 1984 wurde sie für die Grünen als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen, unterlag aber Richard von Weizsäcker klar. 

Luise Rinser (* 30.04.1911 in Pitzling, Oberbayern) verstarb am Nachmittag des 17.03.2002 in einem Unterhachinger Seniorenheim.

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Luise Rinser
 

1991: Rolf Hochhuth

Mit der Preisverleihung soll Rolf Hochhuths literarisches Gesamtwerk und sein unerschrockenes Eintreten für wahre Menschlichkeit gewürdigt werden. 

Seit 1963 als freier Autor tätig, gilt Hochhuth als Hauptvertreter des politisch motivierten so genannten Dokumentartheaters der 60er Jahre. Neben der Vernichtung der Juden, die Hochhuth in seinem ersten Drama "Der Stellvertreter" (1963) thematisierte, war die Spaltung Deutschlands für ihn das größte Verbrechen Hitlers. Dies wurde zu einem Antrieb des leidenschaftlichen, engagierten Schreibens von Rolf Hochhuth, sowie sein Streben nach sozialer und politischer Gerechtigkeit, was in seinen Schriften und Stücken deutlich wird. 

Immer wieder befasste er sich mit kontrovers diskutierten gesellschaftspolitischen Themen wie fragwürdigen Praktiken der Pharmaindustrie ("Ärztinnen", 1980), Leihmutterschaft ("Unbefleckte Empfängnis", 1989) oder Wunden der Wiedervereinigung ("Wessis in Weimar", 1993). Sein jüngstes Stück "McKinsey kommt!" (2003) untersuchte den Zusammenhang von Strategien moderner Unternehmensberater und Arbeitslosigkeit im Zeitalter wirtschaftlicher Globalisierung. 

Hochhuth, der leidenschaftlich-provokative Dramatiker, hat auch Romane, Erzählungen und Gedichte veröffentlicht. Rolf Hochhuth (* 01.04.1931 in Eschwege) lebt heute in Basel.

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Rolf Hochhuth
 

1994: Wulf Kirsten

Der Dichter Wulf Kirsten schreibt eine an Landschaft gebundene Naturlyrik. Seine Dichtung ist rau, ausdrucksstark und lebendig, sie verknüpft Heimatverbundenheit mit Sozialkritik, setzt Biographisches mit geschichtlichen und ökologischen Elementen in Beziehung. Kirsten ist kein einfacher Autor, er verlangt Lesern und Hörern einiges ab, gibt dabei aber Freiräume zur Interpretation, Lesemitarbeit ist gefragt. Oft sind die Grenzen zwischen Lyrik und Prosa fließend.  

Nach Kirstens eigenen Aussagen gehört die von W. Weyrauch herausgegebene Anthologie „Die Pflugscharen“, und hier insbesondere die in ihr enthaltenen Langgässer-Gedichte, zu seinen „Erweckungsbücherns“. Wulf Kirsten wurde am 21. Juni 1934 in Klipphausen bei Meißen geboren. 

Seit 1987 lebt Wulf Kirsten als freier Schriftsteller in Weimar. 

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Wulf Kirsten
 

1997: Ursula Krechel

Die Lyrik, anfangs noch von Frauenbewegung und neuer Subjektivität, später dann häufiger vom Surrealismus beeinflusst, bildet den Schwerpunkt in Ursula Krechels Werk; daneben hat sie Prosa, Theaterstücke und Hörspiele veröffentlicht. 

Ursula Krechel hat sich um die Erinnerung an Elisabeth Langgässer verdient gemacht. Sie hat 1979 eine Neuauflage des Langgässer-Romans „Das unauslöschliche Siegel“ herausgegeben. In Ihrem Essay „Ein Kosmos, durch die Gartenpforte zu betreten“ hat sie ausführlich mit der Schriftstellerin und der während der Herrschaft der Nationalsozialisten entstandenen Literatur der „inneren Emigration“ auseinandergesetzt. 2012 erhielt sie für ihren Roman "Landgericht“ den Deutschen Buchpreis. 

Ursula Krechel (*04. Dezember 1947 in Trier) lebt in Berlin.

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Ursula Krechel
 

1999: Christa Wolf

Text wird derzeit überarbeitet.

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Christa Wolf
 

2003: Claude Vigée

In Bischweiler im Niederelsass 1921 geboren, hat Claude Vigée als einer der bedeutendsten französischen Dichter gerade auch in seiner Muttersprache, dem Elsässischen, Meisterwerke der Dichtung verfasst. Trotz Flucht und Exil, trotz vieler Jahre in Amerika und Israel hat er sich als einer der wenigen Überlebenden einer jüdischen Familie, wie er sagt, vor allem in der Sprache der Eltern selbst erfahren. Als Dichter will er daher in den lebenden Sprachen einer zerrissenen Kindheit das menschliche Wort als solches retten in seinem Reichtum und seiner Dichte. Wenn er wenige Jahre nach Auschwitz in hochdeutschen Versen die „Schneewelt der Kindheit“ heraufbeschwört, so sieht er selbst die erste Pflicht eines jüdischen Dichters darin, „sich der ganzen Welt zu öffnen, die tödlichen Grenzen zu überwinden, die überall das Antlitz der Menschen verunstalten und Verstümmeln“. Das dichterische Wort ist für ihn ebenso wie für Elisabeth Langgässer ein Wort des Lebens. Dieses „Wort des Lebens“ manifestiert sich   in einem großen literarischen Lebenswerk, das in die Zukunft weist.   

Claude Vigée lebt in Paris und Jerusalem.

Claude Vigée
 

2006: Ulla Hahn

Schon früh hat die promovierte Literaturwissenschaftlerin der Alltagslyrik und den rein politischen Versen einen Gedichttyp entgegengesetzt, der die harmonische und geschlossene Form rehabilitiert und das lyrische Urthema der Liebe wieder in den Mittelpunkt rückt. Mit dem programmatischen Bekenntnis zur Emotionalität und der formalen Perfektion ihrer lyrischen Texte hat sie der Poesie eine neue Öffentlichkeit erschlossen. Die überwältigende Macht der Liebe und die leidenschaftliche Gewalt des Begehrens bleiben auch das Thema ihrer Prosa, selbst dort, wo ein monumentales Familienepos über eine Kindheit in den frühen Jahren der Bundesrepublik („Das verborgene Wort“, 2001) die schwierige literarische Emanzipation aus einem zutiefst geistfeindlichen Milieu zum Inhalt hat oder es sich, wie in einem weiteren Roman, um die Notwendigkeit des Erinnern handelt (Unscharfe Bilder, 2003). 

„Mit Schreiben und Lesen fängt das Leben an“, sagte Ulla Hahn einmal, und so verbindet sie vieles mit der Dichterin Elisabeth Langgässer, die einst schrieb, es triebe sie „mit ungeheurer Vehemenz auf dem Meer reiner Worte“. 

Ulla Hahn (* 30. April 1946 in Brachthausen, Sauerland) lebt in Hamburg und ist mit Klaus von Dohnanyi verheiratet.

Ulla Hahn
 

2009: Hanns-Josef Ortheil

Hanns-Josef Ortheil gehört zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Er wurde mit mit vielen Preisen ausgezeichnet, u. A. dem „Brandenburger Literaturpreis“, dem „Thomas-Mann-Preis“ der Hansestadt Lübeck, dem „Georg-K.-Glaser-Preis“ des SWR und des Landes Rheinland-Pfalz und dem „Nicolas-Born-Preis“ des Landes Niedersachsen. 

Nach dem Abitur studierte Hanns –Josef Ortheil Musikwissenschaften, Germanistik, Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Mainz, mit Studienaufenthalten in Rom und Paris. Er promovierte 1976 an der Universität Mainz zum Dr. phil. mit einer Arbeit zum Roman im 17. und 18. Jahrhundert („Der poetische Widerstand im Roman“). Von 1976 bis 1988 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut der Universität Mainz. Seit 1988 ist er freier Schriftsteller. Als Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus lehrt er an der Universität Hildesheim. Sein Werk erscheint im Luchterhand Verlag. 

Hanns-Josef Ortheil (*05.11.1951 in Köln) lebt heute in Stuttgart.

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 Hanns-Josef Ortheil
 

2012: Barbara Honigmann

Barbara Honigmann ist Tochter deutsch-jüdische Emigranten, die das Dritte Reich im englischen Exil überlebten und 1947 nach Ost-Berlin zurückkamen, um beim Aufbau eines neuen Deutschland mitzuhelfen. Nach ihrem Abitur studierte sie an der Humboldt-Universität Theaterwissenschaft. In den folgenden Jahren arbeitete sie als Dramaturgin und Regisseurin in Brandenburg und an der Volksbühne sowie am Deutschen Theater in Ost-Berlin. 

Seit 1975 ist sie freie Schriftstellerin. Mit dem «Roman von einem Kinde» (1986) hatte sie großen Erfolg, es folgten „Eine Liebe aus nichts“ (1991), „Soharas Reise“ (1996), „Am Sonntag spielt der Rabbi Fussball“ (1998), „Damals, dann und danach“ (1999), „Ein Kapitel aus meinem Leben“ (2004), „Das überirdische Licht - Rückkehr nach New York“ (2008) , das Hörspiel „In Memory of Mutti“ (2009) und „Bilder von A. Hanser“ (2011). 

Barbara Honigmann (*12.02.1949 in Berlin) lebt  heute mit ihrem Mann in Straßburg.

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Barbara Honigmann
 

2015: Peter Härtling

Ein Alleinstellungmerkmal schuf sich Peter Härtling mit seinen einfühlsamen Künstlerbiografien, u. a. zu Dichtern wie Lenau, Hölderlin, Mörike und Waiblinger, sowie zu Musikerinnen wie Fanny Hensel-Mendelssohn. Sein Roman über Franz Schubert brachte es zum Bestseller. Auch mit seinen zahlreichen Erzählungen für Kinder fand Härtling große Beachtung. Sogar Schulen sind mittlerweile nach ihm benannt. Untrennbar von Härtlings literarischem Schaffen ist sein politisches Engagement, unter anderem in der Öko- und Friedensbewegung.

Mit dem Werk Elisabeth Langgässers ist Peter Härtling seit Jahrzehnten vertraut und verbunden. Er ist unter anderem Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Am 10. Juli 2017 verstarb Peter Härtling.

Peter Härtling & Christoph Burkhard
Lesung Voba mit Peter Härtling
 
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